Dr. Martin Kronenberg

   "Zu Gunsten des Winterhilfswerks" - Kriegsnagelungen im 3. Reich

Einführung

 

Die Nationalsozialisten griffen unmittelbar nach der Machtübernahme die erfolgreiche Idee der Nagelungen auf. Zwar war nach - sicher propagandistisch übertreibender - Aussage der Reichsleitung der NSDAP vom 7. Dezember 1933 "die öffentliche Naglung des Wappenschildes der Hitlerjugend in allen Teilen des Reiches zu einem gewaltigen Erfolg geworden" (siehe Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen 1933, S. 319/320), insgesamt jedoch verlief die Spendenaktion offensichtlich bei weitem nicht so erfolgreich wie im Ersten Weltkrieg. Genagelt wurden hauptsächlich Hakenkreuze, Schilder mit Hakenkreuzmotiven und Wappenschilder zu Gunsten des Winterhilfswerks, und zwar in erster Linie durch die Hitlerjugend. Auch die Firma Glasmachers, deren Schilde im Ersten Weltkrieg in den Schulen massenhaft benagelt worden waren, belieferte Hitlerjugend, Schulen und andere Institutionen wieder mit ähnlichen Nagelschilden. Die meisten hatten als Motiv die Hj-Raute (siehe Abbildung 1), aber auch Schilder mit dem Reichsadler waren weit verbreitet (s. Abbildung 2). Von der Hitlerjugend wurden die Schilde in erster Linie bei Straßensammlungen eingesetzt oder in den Schulen benagelt. Die erste reichsweite Nagelaktion zugunsten des Winterhilfswerkes ("gewaltige Schildnagelung") am 19. November 1933 wurde vom Sozialen Amt der Reichsjugendführung initiiert und organisiert. Auch die im Dezember 1933 "laufende Nagelung der H.-J.-Wappenschilde für die Winterhilfshilfe (war) eine Arbeit des Sozialen Amtes" (http://library.fes.de/gewerkzs/steinarbeiter/1933/pdf/1933-050.pdf).   In der ersten Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft wurden Zeitungsberichten zur Folge vereinzelt die Nagelaktionen gestört, wie z.B. am 19. November 1933 durch die katholische Jugend in Köln. (www.museenkoeln.de/ausstellungen/nsd_0404_inhalt.asp?C=103).

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs gab es eine Reihe durchaus spektakulärer Nagelungsaktionen, wie beispielsweise die Nagelungen der hölzernen U-Boote in Hannover und Wilhelmshaven zeigen..

Abbildung 1: Nagelschild der Firma Glasmachers ('HJ-Schild', ca. 70cm hoch)
Abbildung 1: Nagelschild der Firma Glasmachers ('HJ-Schild', ca. 70cm hoch)
Abbildung 2: Nagelschild der Firma Glasmachers (?) ('Reichsadler', 58cm x 58cm)
Abbildung 2: Nagelschild der Firma Glasmachers (?) ('Reichsadler', 58cm x 58cm)

Abbildung 3: DLV-Abzeichen 
(Nagelbrett des Nationalsozialistischen Fliegerkorps [NSFK] aus dem Jahre 1940)

Abbildung 4: Nagelschild des Winterhilfswerks
Der Schild befindet sich heute im Heimatmuseum in Clenze (Samtgemeinde Lüchow-Dannenberg)

 

Abbildung 5: Spruchschild

 

Abbildung 6: Spruchschild

 

Alphabetisches Verzeichnis

ABENSBERG
Objekt:
Hakenkreuz (ca. 1 Meter hoch), an dem ein Eisernes Kreuz befestigt war

Aufstellung: im 2. Weltkrieg
Quelle: Schneider, Gerhard: In Eiserner Zeit, Schwalbach 2013, S. 96

 

BALINGEN
Objekt:
"Hj.-Wappenschild" (siehe Abbildung 1)
Standort:
vor dem Rathaus
Aufstellung: vermutlich im Dezember 1933 
Anmerkung:
 "Atemlose Stille herrschte , als der erste Nagel eingeschlagen wurde; eng drängen sich die Leute, jeder hält sein Scherflein bereit, die Not der bedürftigen Brüder zu lindern" (aus einem zeitgenössischen Bericht). 
Quelle: 
http://www.heimatkundliche-vereinigung.de/download/HKB-pdf/Heimatkundliche%20Blaetter%2015_1968%20%20S%20677%20-%20724.pdf

BERLIN
Objekt 1:
Wappenschilder der Hitlerjugend (siehe Abbildung 1)
Standort: am Brandenburger Tor
Aufstellung: vermutlich im Dezember 1933
Anmerkung: "In Berlin stand Baldur von Schirach am Brandenburger Tor, um beim Nageln des Schildes dabei zu sein.."
Quelle:
Axmann, Artur, Das kann doch nicht das Ende sein. 1995, Verlag S. Bublies, S. 90/91

Objekt 2: Wappenschilder der Hitlerjugend (siehe Abbildung 1)
Standort: vor dem Reichstag
Aufstellung: vermutlich im Dezember 1933

Der italienische Botschafter Cerutti nagelt einen Hj-Schild vor dem Reichstag

Objekt 3: Wappenschilder der Hitlerjugend (siehe Abbildung 1)
Standort: "auf dem Potsdamer Damm"
Aufstellung: vermutlich im Dezember 1933

BORBECK (heute Stadtteil von ESSEN)
Objekt: DLV-Abzeichen (siehe Abbildung 3)
Standort: Evangelische Schule Borbeck
Aufstellung: Schuljahr 1934/1935
Quelle: http://www.jugend1918-1945.de/thema.aspx?s=5111&m=&v=2070
Text in der Schulchronik: "Zur Pflege des Luftfahrtgedankens und zur Entgegennahme von Spenden für die Luftfahrt wurde durch die Schulkinder ein DLV-Abzeichen benagelt.

BÜNDE
Objekt: “Schild der Hitlerjugend" (siehe Abbildung 1)
Initiator: Realgymnasium
Aufstellung: Dezember 1933 ("Während des Dezembers wurde ein Schild der Hitlerjugend zugunsten der Winterhilfe von den Schülern genagelt.")
Standort: Realgymnasium
Anmerkungen: 
"Am 4. Januar 1934 wurde die Nagelung des Schildes durch Einschlagen des Schlussnagels beendet."
Quelle: 
http://www.fvsg-buende.de/geschichtsarchiv/alltag/schulen.html

 

COESFELD
Objekt:
"Hoheitsadler"
Aufstellung:
28. Februar 1942
Standort: zunächst wurde im Sitzungssaal des Coesfelder Rathauses genagelt; später stand der "Hoheitsadler" auf dem Hindenburgplatz
Anmerkung: Der Erlös kam dem Winterhilfswerk zugute
Literatur: Borgert, Bernd, Coesfeld, Chronik der NS-Zeit, Dülmen, S. 265/266
Bildnachweis: siehe Borgert, S. 266

Nagelung auf dem Hindenburgplatz

CUXHAVEN
Objekt:
Mine aus Holz
Aufstellung: November 1940
Quelle: Schneider, Gerhard: In Eiserner Zeit, Schwalbach 2013, S. 96

GLAUCHAU
Objekt: "Wappen des Kreises"
Feierliche Einweihung: Februar 1935

 

Grimma

Objekt: "Opferschild der Kraftfahr-Ers.-Abt."

Aufstellung: Der Schild wurde zur Nagelung auf dem Marktplatz in Grimma aufgestellt und am 20. April 1942 durch den  Standortältesten der Volksschule zur Obhut übergeben."

Anmerkung: Auch für den 4. April 1943 ist die "Nagelung eines Opferschildes" auf dem Marktplatz bezeugt.Ob es sich um den Schild aus der Volksschule handelt, kann lediglich vermutet werden. Bei dieser Nagelung wurden 66477,67 RM gespendet, von denen 58630, 61 RM der Wehrmacht zugute kamen.

Quelle: Die Grimmaer Pflege,  Monatsbeilage  der Nachrichten für Grimma,  21. Jahrgang,  1942 und 22. Jg. 1943

 


HAMBURG
Objekt: “Eisernes Kreuz”
Aufstellung: März 1934
Standort: Mönckebergstrasse
Anmerkungen: Das Kreuz war 5 Meter hoch und drehbar.

HAMBURG-WILHELMSBURG
Objekt: "Schild"
Initiator: Kath. Schule Wilhelmsburg
Feierliche Einweihung: Februar 1934

HAMM
Objekt: "Wappenschilder der Hitlerjugend"
Auftsellung: 19. November 1933
Standorte
: verschiedene Plätze der Stadt
Quelle: 
Keinemann, Friedrich, Sieben entscheidende Jahre - Hamm 1928-1935, 1991, S. 193

KOBLENZ
Ort: Schule der Ursulinerinnen
Objekt: 'Hakenkreuz' (aus schweren Bohlen)
Beginn der Nagelung: 30.11.1933 (anläßlich einer Sammelaktion des WHV)
Initiator: BDM

MAGDEBURG
Objekt: “Eiserner Roland"
Künstler: Rudolf Bosselt, Professor an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg
Feierliche Einweihung: 15.07.1933
Standort: Zunächst vor dem Rathaus, ab Dezember 1940 im städtischen Bauhof
Anmerkungen: Die 3,75 Meter hohe Holzfigur sollte ursprünglich während des Ersten Weltkriegs zu Gunsten der Hinterbliebenen gefallener Soldaten benagelt werden. Um sie nicht zu zerstören, wurde die Benagelung jedoch nicht durchgeführt. Zunächst stand sie in der Kunstgewerbeschule und anschließend im Kulturhistorischen Museum. Erst im Jahre 1933 wurde sie vor dem Rathaus aufgestellt. Allerdings blieb die Figur dort nur bis zum Dezember 1940 stehen. Um ihn vor Witterungseinflüssen zu schützen, wurde er in den städtischen Bauhof gebracht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er im Winter 1945/46 wohl zerhackt und als Brennholz verfeuert.
Weitere Bilder sind vorhanden.


MITTWEIDA

Objekte: Wappenschilder

Termin der Nagelung: 19. November 1933

Anmerkung: In der Webseite der Schule heißt es: "Am 19. November fand eine öffentliche Benagelung von Wappenschildern, den Abzeichen der Hitlerjugend, an den Mittweidaer Schulen statt. 5 Pfennig pro Nagel flossen als Reingewinn am Ende dem Winterhilfswerk zu. Die Wappen wurden als Andenken in den Schulen aufbewahrt."

Quelle: http://fichteschule.jimdo.com/geb%C3%A4ude/geschichte/1933-1945/; Artikel des Mittweidaer Tageblatts vom 11. Februar 1933

 

MÜNSTER
Objekt: 'Schild mit Reichsadler'
Beginn der Nagelung: 6. Februar 1941 (Tag der Polizei)
Initiator: Polizei

Quelle: Kriegschronik - Münster im Zweiten Weltkrieg
Quelle: Kriegschronik - Münster im Zweiten Weltkrieg


NAUEN
Objekt:
Kriegerdenkmal
Aufstellung:
6. Februar 1934
Standort:
Lichthof des Landratsamtes
Anmerkung: Für 30 Pfennige durfte man einen Nagel in das Ehrenmal schlagen

Quelle: Schneider, Gerhard: In Eiserner Zeit, Schwalbach 2013, S.96; Havelländische Rundschau Nr. 31 vom 6.2.1934 bis Nr. 68 vom 21.3.1934

 

NEUKIRCHEN-VLUYN
Objekt: "Eiserner Klompen"

Initiator: Emil Cherubin aus Vluynbusch
Feierliche Einweihung: 1936/37
Spendensumme: 1760 RM
Anmerkungen: Bei der Benagelungen des “Eisernen Klompen”, eines Holzschuhs in zehnfacher Grösse, handelte es sich um eine Aktion des Landkreises Moers zu Gunsten des Winterhilfswerks. An der Nagelung beteiligten sich u.a. auch Schüler der St. Barbara-Schule.

 

NEUSTADT (Weinstraße)

Objekt: Wappenschild der Hitlerjugend (s. Abbildung 1)

Aufstellung: 19. November 1933

Standort: Bahnhofplatz

Anmerkung: "In ganz Deutschland ruft die Hitlerjugend für das Winterhilfswerk zu einer öffentlichen Nagelung von Wappenschilden auf. Auch hier wird mit der Nagelung auf dem Bahnhofplatz der Anfang gemacht. HJ und BDM werden hier versammelt und singen das markige Lied „Unsere Fahne flattert uns voran“. Bürgermeister Dr. Lederle und Merkle schlagen die ersten Nägel in das Wappenschild. Die Hitlerjungen verteilen sich in der Stadt, stellen Tischchen auf und werben Passanten zum Nageln. Kinos, Wirtschaften besuchen die Jungens mit ihren Hakenkreuz geschmückten Schildern."

Quelle: Chronik der Stadt Neustadt; http://www.gedenkstaette-neustadt.de/wp-content/uploads/2013/08/CHRONIK_0001.pdf

 

POTSDAM
Objekt:
"Hitlerjugend-Schilde"

Aufstellung: 19. November 1933

Quelle: http://potsdam-chronik.de/Potsdamchronik/Chronik/1933-1945/1933-1945.html

 

TEMPLIN

Objekt: Hitlerjugendschild

Feierliche Einweihung: 29. November 1933

Aufstellungsort: Aula des Joachimsthalschen Gymnasium (Landesschule Templin)

Anmerkung: Den ersten Nagel schlug Direktor Dr.  Kuhlmann ein
Quelle: Wegener, Heinz, Das Joachimthalsche Gymnasium - die Landesschule Templin,  2007, S. 135 (ISBN 978-3-929829-62-4)


VOHENSTRAUß
Objekt:
"Hakenkreuzwappenschild der Hitlerjugend"
Aufstellung:
18. November 1933
Anmerkung: "1485 Nägel fanden Platz"
Quelle: 
Peter Staniczek, Zusammenstellung der Ereignisse der Jahre 1933 und 1934 anhand der Lokalzeitung „Vohenstraußer Anzeiger“ (http://www.heimat-now.de/g_voh_1933_34.htm)

WEDEL
Objekt: "Hakenkreuz"
Feierliche Aufstellung: 23. November 1933
Anmerkung: Den ersten Nagel schlug Bürgermeister Dr. Harald Ladwig ein.
Quelle: Wedel-Schulauer Tagblatt vom 23. November 1933 (http://www.shz.de/lokales/wedel-schulauer-tageblatt/spendensammlung-ein-nagel-fuer-einen-groschen-id8312446.html)

WEIßENFELS

Objekt: Weißenfelser Stadtwappen
Feierliche Einweihung: 1934/1935
Aufstellungsort: Marktplatz
Initiator: Winterhilfswerk
Verbleib: Das Objekt befindet sich heute im Museum Weißenfels
Quelle: Weißenfelser Tageblatt vom 2.2.1935


WERNIGERODE

Objekt: “Hakenkreuz”
Anmerkung: Der Hinweis auf die Nagelung stammt von einem Zeitzeugen, der sich an die Nagelung in der Schule erinnert.

WILHELMSHAVEN
Objekt:
U-Boot
Nagelungszeitpunkt: Frühjahr 1941
Aufstellungsort(e): "veschiedendste(n) Stellen des Wilhelmshavener Stadtbildes", z.B. im Werftlehrlingsheim Ebkeriege III
Erlös im Lehrlingsheim: 500 Mark
Literatur: Werftlehrlinge nageln das U-Boot. In: Der Hammer, Nachrichtenblatt der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven, 2. Jahrgang, 5. April 1941, Nr. 13
Bildrechte: siehe Nachrichtenblatt "Der Hammer", 5. April 1941 (Bilder oben); Heimat am Meer, Beilage der Wilhelmshavener Zeitung, Nr. 7/2016, 9. April 2016 (Bild unten)